Richtige und falsche Angriffe auf den Sonntag
Sonntage sind furchtbar. Das sehe jedenfalls nicht nur ich, sondern auch andere so. Aber die Gründe sind verschiedene. Viele Sonntagsfeinde, die ich kenne, tun dem Sonntag jedoch Unrecht an. Weil sie ihn nur als Überbringer der schlechten Nachricht, als den Hinweisgeber auf den Montag nämlich, und die eigentlich mit diesem Tag verbundene Erinnerung an Erwerbsarbeit, Schule und andere leidliche Sachen sehen – und deshalb hassen. Den Sonntag für den Montag zu bestrafen, das allerdings ist unfair.
Ich mag Sonntage als Sonntage nicht. Und ich liebe Montage, eben weil der Sonntag dann vorbei ist. Sonntage sind für mich Tage der Vereinzelung und des Leidens. Denn der Sonntag steht im größtmöglichen Kontrast zu der Geselligkeit seiner zwei Vortage. Er ist die Schlucht in die man alleine fällt, nachdem man die ekstatischen Gipfel von Freitag und Samstag gemeinsam mit anderen erklommen hat. Er selbst ist zutiefst ungesellig. Die Straßen sind tagsüber leer. Abends gar noch leerer, weil die Menschen – vielleicht nicht allein aber zumeist doch nur für sich – vor’m Tatort sitzen. Etwas Sinnvolles gibt es ja auch nicht zu tun an diesen Abenden, die immer recht kurz sind. Am nächsten Tag klingelt der Wecker ja meist recht früh. Der Sonntag ist ein amputierter Tag. Ihm fehlt nicht nur der Abend, sondern zugleich meistens auch der Morgen, der regelmäßig durch ein Gemisch aus Alkohol, Tabak und Schlafmangel von Genosse Samstag brutalst dahingerafft wird.
Da der spezifische Sonntag zwar abgeschafft und durch einen weiteren Montag oder Freitag ersetzt werden könnte, nicht jedoch der strukturelle, stehen wir Menschen vor nur einem möglichen Ausweg: Dem Abschaffen der Arbeitswoche und damit auch des Wochendes. Und alle Tage werden in dieser rosigen Zukunft gleichberechtigt miteinander leben können.

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