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Richtige und falsche Angriffe auf den Sonntag

3. April 2011 Keine Kommentare

Sonntage sind furchtbar. Das sehe jedenfalls nicht nur ich, sondern auch andere so. Aber die Gründe sind verschiedene. Viele Sonntagsfeinde, die ich kenne, tun dem Sonntag jedoch Unrecht an. Weil sie ihn nur als Überbringer der schlechten Nachricht, als den Hinweisgeber auf den Montag nämlich, und die eigentlich mit diesem Tag verbundene Erinnerung an Erwerbsarbeit, Schule und andere leidliche Sachen sehen – und deshalb hassen. Den Sonntag für den Montag zu bestrafen, das allerdings ist unfair.

Ich mag Sonntage als Sonntage nicht. Und ich liebe Montage, eben weil der Sonntag dann vorbei ist. Sonntage sind für mich Tage der Vereinzelung und des Leidens. Denn der Sonntag steht im größtmöglichen Kontrast zu der Geselligkeit seiner zwei Vortage. Er ist die Schlucht in die man alleine fällt, nachdem man die ekstatischen Gipfel von Freitag und Samstag gemeinsam mit anderen erklommen hat. Er selbst ist zutiefst ungesellig. Die Straßen sind tagsüber leer. Abends gar noch leerer, weil die Menschen – vielleicht nicht allein aber zumeist doch nur für sich – vor’m Tatort sitzen. Etwas Sinnvolles gibt es ja auch nicht zu tun an diesen Abenden, die immer recht kurz sind. Am nächsten Tag klingelt der Wecker ja meist recht früh. Der Sonntag ist ein amputierter Tag. Ihm fehlt nicht nur der Abend, sondern zugleich meistens auch der Morgen, der regelmäßig durch ein Gemisch aus Alkohol, Tabak und Schlafmangel von Genosse Samstag brutalst dahingerafft wird.

Da der spezifische Sonntag zwar abgeschafft und durch einen weiteren Montag oder Freitag ersetzt werden könnte, nicht jedoch der strukturelle, stehen wir Menschen vor nur einem möglichen Ausweg: Dem Abschaffen der Arbeitswoche und damit auch des Wochendes. Und alle Tage werden in dieser rosigen Zukunft gleichberechtigt miteinander leben können.

Wie Kalender Zeit töten

30. März 2011 Keine Kommentare

Kalender sind heimtückischer, als man denkt. Viele Leute werden das kennen: Man ist irgendwie strukturell überlastet und muss (nicht nur ab und zu, sondern ständig) noch dies und das tun in den nächsten Tagen. Vor allem tendenziell eher unorganisierten Profiprokrastinierenden wie mir kommt es dann in den Sinn, dass ein bisschen Organisation das ganze erheblich bessern könnte, dass das, was man machen muss, qua dieser besseren Organisation dann also effizienter läuft. Heißt: Mehr Zeit für was anderes als für dies und das. Da ich bereits seit der Grundschule unfähig war, klassische (also analoge) Kalender zu führen (damals hieß das MuttiHausaufgabenheft), war ich eine Zeit lang über meinen digitalen Kalender begeistert. Den hat man durch Handy, Laptop usw. quasi immer dabei (was beim Hausaufgabenheft nie der Fall war) und er erinnert einen auch, ohne dass man reinschauen muss (was ich bei Hausaufgabenheften nie tat. Wär ja auch noch schöner, sich die Arbeit selber aufzuhalsen indem man nach ihr sucht!).

Jetzt ist zwar alles besser organisiert, ich verpasse kaum noch Termine und dies und das ist den konkreten A und B gewichen wie aus in den nächsten Tagen nun HH:MM DD:MM:YYYY geworden ist. Blöd nur, dass das sinnvolle Gefühl irgendwie überlastet zu sein nun kaum noch was (als gute Ausrede) taugt, weil im Kalender immer noch ein bisschen Platz für ein paar Termine mehr geworden ist. Der Kalender rationalisiert die eigenen Kapazitäten dermaßen, dass die Diskrepanz zwischen Zeit-Zeit und Ichkannundwillnichtmehrzeit ins Unermeßliche zu wachsen droht. Auf den Kalender verzichten will ich trotzdem nicht, denn wenigstens diese Diskrepanz will ja gut organisiert sein.