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Die Stadt fragt und ‘de Ausländer sind…

10. Oktober 2011 Keine Kommentare

Dass Umfragen immer irgendwie suggestiv sind – geschenkt. Aber was die Stadt Leipzig da an 22.000 Leute rausgeschickt hat, um “Meinungen und Vorstellungen zu verschiedenen aktuellen planungsrelevanten Themen” einzuholen, ist schon unfassbar. Eines dieser “planungsrelevanten Themen” in Leipzig sind anscheinend “Ausländer”, zu “denen” (in mindestens einer der vier Versionen) folgende Thesen vorliegen:

a) Die Leipzig lebenden Ausländer sind eine kulturelle Bereicherung der Stadt.
b) Durch die Ausländer in Leipzig fühlt man sich zunehmend als Fremder in seiner Stadt.
c) Ausländer nehmen die Arbeitsplätze in Leipzig weg.
d) Die Ausländer sollten ihren Lebensstil an den der Deutschen anpassen.
e) Die Ausländer machen die Arbeit, die die Deutschen nicht erledigen wollen.
f) Man sollte den Ausländern jede politische Betätigung in Deutschland untersagen

Die Antwortmöglichkeiten reichen dann zu jeder einzelnen Aussage von “Ich stimme voll und ganz zu” bis zu “Ich stimme überhaupt nicht zu”. Ich meine man kann soetwas mit einem spezifischen Forschungsthema mit (mindestens halbwegs) guter Fachkenntnis möglicherweise durchaus fragen, aber was für ein “ergebnisoffenes Ergebnis” erwartet sich die Stadtverwaltung bei ihrer allgemeinen Bürgerumfrage? Und wie zur Hölle soll das dann zu Konsequenzen führen? Naja, man ahnt es schon: Die Leipziger sind fremdenfeindlich, also gibt’s zu viele Ausländer. Gab’s ja schoneinmal.

Die Antwortmöglichkeiten

g) Die Stadtverwaltung ist offensichtlich total bescheuert
h) Die gestellte(n) Frage(n) ebenfalls
i) Ich entscheide mich bei h) für das (n)

gibt es übrigens leider nicht.

Stolze Sachsen

28. Juni 2011 Keine Kommentare

Die sächsische Staatskanzlei hat die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage 2011 veröffentlicht (PDF). Aus der geht unter anderem hervor, dass etwas mehr als 85% der Befragten angeben, stolz darauf zu sein, in Sachsen zu leben.

Auf die offene Frage, welches das größte Problem in Sachsen sei, hat das Meinungsforschungsinstitut die offenen Antworten zusammengeführt. Aus denkbare Antworten wie “Arbeitslosigkeit”, “Beschäftigung”, “viele Arbeitslose”, “schlechte Jobsituation” etc. ist also der Cluster Arbeitsmarkt/Arbeitslosigkeit geworden (den insgesamt 26%, satte 14% weniger als in der Umfrage zuvor, als großes Problem genannt haben).

Warum in alles in der Welt die Nennungen zu “Kriminalität” und “Rechtsradikalismus” [sic! was ist aus dem guten alten Begriff des Extremismus geworden, den die Staatsregierung so mag?] zu einem Cluster zusammenführt worden sind, ist zwar nicht erklärt, passt aber gut in das Konzept, Nazismus und menschenfeindliche Ideologien als rein ordnungspolitisches Problem abzutun. Dann lässt sich’s auch leichter stolz auf Sachsen sein…

P.S.: NPD in der Sonntagsfrage bei 3%, Holger Apfel bekannter als Antje Hermenau und Martin Dulig, 61% irgendwie mindestens halbwegs zufrieden mit Staatsregierung)