Nicht alle Wege führen nach Oslo
Es gibt Leute, die immer wieder darauf insistieren, dass es einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus, zwischen Muslimen und Djihadismus gibt. Das zu sagen ist auch richtig. Nicht zuletzt deshalb, weil das eine nicht nur nicht zum anderen führt, sondern tatsächlich etwas anderes ist, als das, mit dem es etwas zu tun hat und in einer gewissen Beziehung auch zusammenhängt. Dieser Hinweis wäre sicherlich auch wieder von Sahra Wagenknecht gekommen, hätte es sich in Oslo um einen Mehrfachmord mit igendwie islamistischen Hintergrund gehandelt. Hat es sich aber nicht.
Also meint Wagenknecht:
Der Bodensatz dafür wird durch Rechtspopulismus bereitet, der die Spaltung in der Gesellschaft immer weiter vorantreibt. Es ist kein Zufall, dass sich der Attentäter von Norwegen auch mit den Positionen von Sarrazin und Co. befasst hat.
Da wird’s dann wieder klar. Aufeinmal führt das eine irgendwie schon fast automatisch zum anderen. Dass es “kein Zufall ist”, dass sich der Täter des Verbrechens von Oslo mit “Sarrazin und Co. befasst” hat, sei klar. Dass es in Wagenknechts Statement so klingt, als hätte Sarrazin an Oslo eine gewisse Mitschuld, ist sicherlich auch kein Zufall.
Wagenknecht steht allerdings nicht einmal ansatzweise alleine da. An vielen Stellen wird geredet von der “in letzter Konsequenz” fast logischen Zuspitzung der rechtspopulistischen Theoreme usw., die dann in solch einer Tat münden müssten.
Das jedoch ist eine (vor allem zu diesem Zeitpunkt) wenig hilfreiche Analyse dessen, was in Oslo passiert ist. Unter anderem, weil es die für diese Tat spezifisch[!] notwendige (jemand schießt dutzenden Menschen geplant und in aller Ruhe einfach in den Kopf!) psychologische Konstituierung des Täters weitgehend außen vor lässt. Man muss in keiner Weise Sarrazins Gruselstories Glauben schenken, um zu merken, dass diese etwas ganz anderes sind, als das, was da stattgefunden hat.
Das ideologische Fundament, auf das Breivik sich beruft, ist zwar zusammengebaut aus dem, was man in europäischen Gesellschaften so findet, aber eben keineswegs ein “fertiger Sprengsatz”. Da (bei Breivik) finden sich antimuslimische Ressentiments, Xenophobie, Versatzstücke christlichem Fundamentalismus, Antikommunismus und vieles mehr. Tempelritterorden und Freimaurer finden ebenso ihren Platz wie Liberale und Kulturmarxisten. So wenig man aber den Dünger, den Breivik für seine Bombe verwendet hat, für den Mehrfachmord verantwortlich machen kann, kann man die Erklärung dieser Tat mit einzelnen Versatzstücken von Breiviks Wahnbild erklären oder herleiten. Das macht diese Versatzstücke keineswegs vertretbar oder ungefährlich, nur soll man bitte aufpassen, wie man nach einer solchen Tat die Kausalketten konstruiert. “Sarrazin und Co.” verdienen durchaus Kritik – aber nicht wegen Oslo.



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