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Artikel Tagged ‘Religion’

Nicht alle Wege führen nach Oslo

26. Juli 2011 Keine Kommentare

Es gibt Leute, die immer wieder darauf insistieren, dass es einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus, zwischen Muslimen und Djihadismus gibt. Das zu sagen ist auch richtig. Nicht zuletzt deshalb, weil das eine nicht nur nicht zum anderen führt, sondern tatsächlich etwas anderes ist, als das, mit dem es etwas zu tun hat und in einer gewissen Beziehung auch zusammenhängt. Dieser Hinweis wäre sicherlich auch wieder von Sahra Wagenknecht gekommen, hätte es sich in Oslo um einen Mehrfachmord mit igendwie islamistischen Hintergrund gehandelt. Hat es sich aber nicht.

Also meint Wagenknecht:

Der Bodensatz dafür wird durch Rechtspopulismus bereitet, der die Spaltung in der Gesellschaft immer weiter vorantreibt. Es ist kein Zufall, dass sich der Attentäter von Norwegen auch mit den Positionen von Sarrazin und Co. befasst hat.

Da wird’s dann wieder klar. Aufeinmal führt das eine irgendwie schon fast automatisch zum anderen. Dass es “kein Zufall ist”, dass sich der Täter des Verbrechens von Oslo mit “Sarrazin und Co. befasst” hat, sei klar. Dass es in Wagenknechts Statement so klingt, als hätte Sarrazin an Oslo eine gewisse Mitschuld, ist sicherlich auch kein Zufall.

Wagenknecht steht allerdings nicht einmal ansatzweise alleine da. An vielen Stellen wird geredet von der “in letzter Konsequenz” fast logischen Zuspitzung der rechtspopulistischen Theoreme usw., die dann in solch einer Tat münden müssten.

Das jedoch ist eine (vor allem zu diesem Zeitpunkt) wenig hilfreiche Analyse dessen, was in Oslo passiert ist. Unter anderem, weil es die für diese Tat spezifisch[!] notwendige (jemand schießt dutzenden Menschen geplant und in aller Ruhe einfach in den Kopf!) psychologische Konstituierung des Täters weitgehend außen vor lässt. Man muss in keiner Weise Sarrazins Gruselstories Glauben schenken, um zu merken, dass diese etwas ganz anderes sind, als das, was da stattgefunden hat.

Das ideologische Fundament, auf das Breivik sich beruft, ist zwar zusammengebaut aus dem, was man in europäischen Gesellschaften so findet, aber eben keineswegs ein “fertiger Sprengsatz”. Da (bei Breivik) finden sich antimuslimische Ressentiments, Xenophobie, Versatzstücke christlichem Fundamentalismus, Antikommunismus und vieles mehr. Tempelritterorden und Freimaurer finden ebenso ihren Platz wie Liberale und Kulturmarxisten. So wenig man aber den Dünger, den Breivik für seine Bombe verwendet hat, für den Mehrfachmord verantwortlich machen kann, kann man die Erklärung dieser Tat mit einzelnen Versatzstücken von Breiviks Wahnbild erklären oder herleiten. Das macht diese Versatzstücke keineswegs vertretbar oder ungefährlich, nur soll man bitte aufpassen, wie man nach einer solchen Tat die Kausalketten konstruiert. “Sarrazin und Co.” verdienen durchaus Kritik – aber nicht wegen Oslo.

Das Diesseits der Zitate

27. April 2011 Keine Kommentare

Nein, unser katholischer Freund der Aufkärung findet nichts dabei in einer Gesellschaft zu leben, die ihm nicht gefallen kann. Wie könnte er auch. Schließlich kann man sich das Feld, in dem man selbst agiert, nicht wirklich heraussuchen. Das ist auch gut so, denn sonst würde sich ja niemand dafür interessieren, was man selbst so schreibt. Schon allein deshalb tut unser Freund der Aufklärung gut daran, sich selbst und seine Auffassung der Dinge (über Verlinkungen und diverse analoge Links) in genau die Gesellschaft zu werfen, in welcher der Anderen Anwesenheit so schrecklich furchtbar ist. Willkommen im digitalen linken Rand also, lieber Kritikerliselott’!

Niemand wütet stärker gegen die eigenen ideologischen Eltern als deren Kinder.

Aber halt: Das ist nicht logisch. Denn: Eltern muss man ehren! Und: Was nicht logisch ist, ist schlimm. Widersprüche, hey Pippilangstrumpf!, wollen wir nicht. Dass also die Kinder gegen die eigenen Eltern, gleichwohl in deren Abhängigkeit, sich rauszuschleichen suchen, das darf (und kann damit?) nicht sein!

Ansonsten bleibt’s – wie so oft – bei (vermutlich) eher sehr simplen persönlichen Projektionen. Privater Stammtischempirismus scheint sich da auf einmal in kritisch-theoretische Literatur zu verwandeln. Eassayhaftes Schreiben wird degradiert auf wirklich langweilige Polemik. (Wenn man das überhaupt so nennen darf: “Die nehmen alle Drogen!”)

Immer geht es dem Kollegen irgendwie um die ganz große Kritik, in der wir uns irgendwie aber auf keinen Fall einig sein dürfen. Nur was die Kritik bezweckt und bewirken kann, abseits vom (bestimmt netten) Masturbationseffekt, weiß keiner. Dabeisein ist alles.

Der Alte geht Zitate sammeln und ich sage: Herrlich! Aber was sagst du?

Fundstück: Gender Jihad

17. April 2011 1 Kommentar

Nach den spannenden Veranstaltungen zu den Themen “kommunistische Klassengesellschaft” und “anarchistischer Staat” möchte ich an dieser Stelle unbedingt auf dieses Fundstück aufmerksam machen, das gerade Leipzigs Flyerständer unsicher macht: Der Gender-Jihad.

(Wenn’s keinen Eintritt kosten würde, könnte man sich das echt ansehen)

Edit/P.S.: Ein Telepolis und ein NZZ Artikel zum Konzept “Gender Jihad”.

(Wenn’s keinen Eintritt kosten würde, könnte man sich das echt ansehen)