Archiv

Artikel Tagged ‘Leipzig’

Leipziger Intervention

16. Januar 2012 3 Kommentare

Occupy-Acampada-Anonymous-Echtedemokratiejetzt-99% hat mal wieder eine Aktion auf dem Augustusplatz gemacht und anschließend eine Demod urch die Innenstadt. Neben Politsektenschildern und den eben unvermeidlichen 99%-Zeichen gab es eine Intervention, bei der ich mich Frage, ob die nicht möglicherweise noch platter und dämlicher ist, als die Kundgebung selbst. Das Statement beschränkt sich nämlich – dreimal darfst du raten – auf das zeigen einer Israelischen Fahne. Das ist mutig, hat Tiefgang und ist vor allem sicherlich für alle Anwesenden verständlich…


Bildausschnitt von einem LVZ-Online-Foto

Wer schreibt denn dann die Polizeimeldungen ab?

29. November 2011 Keine Kommentare

Die LVZ ist in Bewegung. Nicht nur, dass der ehemalige Chef Bernd Hilder (wir erinnern uns: Vorsit zender des Presserats) seinen angestrebten Job beim affärenverseuchten MDR nicht bekommen hat, jetzt wird er auch bei der LVZ zu einem Korrepondentenposten nach Brüssel weggelobt. Als Nachfolger ist Dirk Birgel von den Dresdner Neusten Nachrichten (DNN) im Gespräch. Der twittert, ist FDP-Fan und spricht beim Deutschlandfunk ab und zu einen Kommentar – mal über die Frauenquote, mal über Vorratsdatenspeicherung.

Das ist das eine. Das andere ist, dass LVZ-Eigentümerin Madsack offensichtlich den ein oder anderen Euro einsparen will. Das berichten taz und andere. Über 50 Stellen sollen bei der LVZ gestrichen werden, davon 30 in der Redaktion. Betroffen ist allerdings wohl hauptsächlich der Teil der Redaktion, der für den überregionalen Teil verantwortlich ist. Dass diese Teile der knapp 20 Madsack-Zeitungen werden in Zukunft also noch ähnlicher.

[..] Themen aus der Region mit überregionaler Relevanz würden auch künftig in Leipzig erarbeitet. Kritiker sehen in dem Konzept einen Verlust für die Meinungsvielfalt, da so in vielen Zeitungen identische oder sehr ähnliche Artikel stünden. (Quelle: taz)

Da die taz den Lokalteil der LVZ nicht kennt, erschließt ihr leider nicht, dass weniger LVZ durchaus auch mehr Qualität bedeuten kann. Und die Polizeipressemitteilungen können ja in Zukunft auch Bots oder Roboterjournalisten abschreiben.

5 Buchstaben, 5 Finger

29. Oktober 2011 Keine Kommentare

Drei junge Frauen fahren mit dem Rad am Connewitzer Netto (beim Wiedebachplatz, hieß übrigen zwischenzeitlich auch mal Ghetto) vorbei. Die eine ruft ihren Freundinnen zu:

In der Zeitung stand, das ist der Netto in ganz Deutschland, in dem am meisten geklaut wird!

Enttarnt: stalinistische Psychokrieger zersetzen die Bewegung

26. Oktober 2011 5 Kommentare

Wir sind weder links noch rechts, wir sind die von Unten und wollen die von oben wegmachen!!
Kommentar in der Facebook-Gruppe von Echte Demokratie jetzt! Leipzig

Die wöchentlichen Kundgebungen von Echte Demokratie jetzt! Leipzig verlaufen im Sande. Waren bei der ersten großen Kundgebung noch bis zu 2000 Leute, sank die Zahl am darauffolgenden Montag auf circa 100 ab und waren vorgestern offensichtlich auch nicht mehr. Dafür scheint es aber zunehmend spooky werden. Vergangenen Montag redeten am offenen Mikro die Stalinisten von der MLPD (fairerweise: das hat bei den Orgaleuten auch für Unmut gesorgt), auf der Facebookseite fliegen Links von der verschwörungsideologischen Website alles schall und rauch sowie “Berichte” über die Bilderberger und zur “Zinskritik” umher (hier jedoch: kaum kritische Reaktionen von den Organisierenden). Ein besonders wirrer Zeitgenosse hat außerdem einen äußerst skurrilen watchblog erstellt, auf dem er über die drohende “Unterwanderung” der Gruppe aufklären will und das Gelaber von nicht minder irren MLPD’lern als “geschickte Psychotricks” entlarvt. Nicht ganz zu Unrecht, meint man, wünscht sich sogar die taz eine Spaltung der Bewegung (die in Leipzig keine ist).

Die Stadt fragt und ‘de Ausländer sind…

10. Oktober 2011 Keine Kommentare

Dass Umfragen immer irgendwie suggestiv sind – geschenkt. Aber was die Stadt Leipzig da an 22.000 Leute rausgeschickt hat, um “Meinungen und Vorstellungen zu verschiedenen aktuellen planungsrelevanten Themen” einzuholen, ist schon unfassbar. Eines dieser “planungsrelevanten Themen” in Leipzig sind anscheinend “Ausländer”, zu “denen” (in mindestens einer der vier Versionen) folgende Thesen vorliegen:

a) Die Leipzig lebenden Ausländer sind eine kulturelle Bereicherung der Stadt.
b) Durch die Ausländer in Leipzig fühlt man sich zunehmend als Fremder in seiner Stadt.
c) Ausländer nehmen die Arbeitsplätze in Leipzig weg.
d) Die Ausländer sollten ihren Lebensstil an den der Deutschen anpassen.
e) Die Ausländer machen die Arbeit, die die Deutschen nicht erledigen wollen.
f) Man sollte den Ausländern jede politische Betätigung in Deutschland untersagen

Die Antwortmöglichkeiten reichen dann zu jeder einzelnen Aussage von “Ich stimme voll und ganz zu” bis zu “Ich stimme überhaupt nicht zu”. Ich meine man kann soetwas mit einem spezifischen Forschungsthema mit (mindestens halbwegs) guter Fachkenntnis möglicherweise durchaus fragen, aber was für ein “ergebnisoffenes Ergebnis” erwartet sich die Stadtverwaltung bei ihrer allgemeinen Bürgerumfrage? Und wie zur Hölle soll das dann zu Konsequenzen führen? Naja, man ahnt es schon: Die Leipziger sind fremdenfeindlich, also gibt’s zu viele Ausländer. Gab’s ja schoneinmal.

Die Antwortmöglichkeiten

g) Die Stadtverwaltung ist offensichtlich total bescheuert
h) Die gestellte(n) Frage(n) ebenfalls
i) Ich entscheide mich bei h) für das (n)

gibt es übrigens leider nicht.

Polizei Leipzig: herausragend substanzlos

10. August 2011 Keine Kommentare

Wie zu erwarten hat sich auch die dritte “Komplexkontrolle” der Polizei fast nichts zu Tage gebracht, außer den erneuten Beweis ihres eigenen Unvermögens. Beim Einsatz selbst bot sich ein ähnliches Bild wie letztes mal: Mehrere Hundertschaften waren im Einsatz  und haben etwas mehr als 800 Personenkontrollen durchgeführt. “Gezielt wurden Straßen und Plätze im Rauschgiftmilieu aufgesucht, um hier mit konzentrierten Aktionen die Anbieterszene zu verdrängen”, schreibt die Polizei. Von der eher unpassenden Verwendung des Begriffes “Milieu” mal abgesehen, muss man sich ernsthaft fragen, ob die Cops allen ernstes selber glauben, sie könnten “die Anbieterszene” auch nur ansatzweise “verdängen”, indem sie die Kontrollen an Stadtweit bekannten Konsumorten durchführen, also genau dort, wo sich ein halbwegs fitter Dealer niemals blicken lassen würde. Da wundert es auch nicht, dass abermals alle Ermittlungsverfahren wegen “des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz” (an der Zahl 31) gegen bereits dahingehend hinlänglich bekannte Personen eingeleitet worden sind. These: Bei allen 31 Personen handelt es sich vorrangig um Leute, denen man ihre paar halben Gramm Irgendwas für den Eigenkonsum abgenommen hat. Das verkauft die Polizei in ihrer Pressemitteilung allen Ernstes auch diesmal wieder als “herausragend”.


Übersicht über die “Komplexkontrollen” Juni bis August 2011

Mehr…

Jeden Monat wieder: Kontrollbereich

9. August 2011 Keine Kommentare

Auch gestern (am Dienstag) hat es die Polizei mal wieder als nötig erachtet, wie bereits im Juni und Juli, die ganze Stadt mit Absegnung des sächsischen Innenministeriums zum Kontrollbereich zu machen. Doof für die LVZ und insbesondere Lokalredakteur Frank Döring, der regelmäßig als Bauchrednerpuppe der Leipziger Polizei auffällt, dass es bis zum Redaktionsschluss noch keine bejubelbaren Ergebnisse gab. Also muss die LVZ sich an die letzten beiden Großeinsätze halten: “Im Ergebnis der beiden Razzien wurden mehr als 100 Strafverfahren eröffnet”, schreibt Döring. “Mehr als 100” entsprechen übrigens exakt 102.

Polizei setzt 51 Akzente im Kontrollbereich

15. Juli 2011 Keine Kommentare

Beim erneuten Polizeigroßeinsatz von gestern wurden laut Pressemitteilung der Polizei 868 Personen kontrolliert und 140 (zusätzlich?) durchsucht. Und wie beim letzten mal, als ebenfalls ein vom Innenministerium zu genehmigender Kontrollbereich eingerichtet worden war, wurden 51 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das dürfte angesichts der Anzahl der Kontrollierten (knapp halb so viele wie beim letzten mal) in den Augen der Polizei ein Erfolg sein, die meint dieser Einsatz sei “nach den ersten Ergebnissen erfolgreicher als der im Vormonat“.

Vor dem Hintergrund, dass der Einsatz vornehmlich gegen “Delikte der Beschaffungskriminalität, wie Raubstraftaten, Diebstähle aus Kraftfahrzeugen sowie Einbrüche in Geschäfte, Firmen und Wohnungen” gerichtet war, zeigt sich bei näherer Betrachtung aber ein anderes Bild: Nur 33 der eingeleiteten Verfahren betreffen den Zielbereich des Einsatzes. Darunter 2 Verfahren wegen “schwerem Fall des Diebstahls“, 2 wegen “Verstoß gegen das Waffengesetz” und 29 wegen “des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz” – alle dieser 29 Verfahren erfolgen übrigens gegen polizeilich bereits bekannte Personen. Der Rest der eingeleiteten Strafverfahren (es ist keineswegs gesagt, dass diese zu einer Verurteilung führen!) setzt sich aus (meist weniger bedeutsamen) Zufallstreffern zusammen.

Dafür, dass die Polizei zum zweiten mal binnen 4 Wochen einen Kontrollbereich eingerichtet hat, der für die Zeit seines Bestehens Rechte der Menschen beschneidet und die Kompetenzen der Polizei hinsichtlich von Willkürakten maßgeblich erhöht, wieder mehrere Hundertschaften und eine Hundestaffel im Einsatz waren sowie angeblich gezielt Brennpunkte aufgesucht worden sind, war der Einsatz wieder nichts mehr als sinnloser Aktionismus und Rumstochern im Nebel. Bei der Polizei heißt das dann: “Akzente setzen“.

Unkenntlichmachung alá LVZ

14. Juli 2011 Keine Kommentare


Handelt es sich bei diesem Mann möglicherweise um Bernd H., Chefredakteur der LVZ? Die Unkenntlichmachung alá LVZ verunmöglicht eindeutige Aussagen.

LVZ Online berichtet über einen neu angelegten Großeinsatz der Leipziger Polizei. (Junkies und so, wir erinnern uns) Natürlich gibt’s auch eine Fotostrecke, auf der Polizeikontrollen (inklusive der Kontrollierten) an einem “bekannten Treffpunkt von Drogenabhängigen”, wie es in der Bildunterschrift heißt, zu sehen sind. Nicht schon ärgerlich genug, dass die Zeitung damit auch nahelegt, die abgebildeten kontrollierten Menschen wären selbst Ticker/User/Abhängige, vor allem bei der Unkenntlichmachung der so abgebildeten Menschen ist die LVZ mehr als nachlässig. Wer die Leute kennt oder ihnen mal persönlich über den Weg läuft, wird sie nämlich sicherlich erkennen.

Das einzige Lebewesen, das in der Fotostrecke übrigens mit einem schwarzen Balken bedacht worden ist, ist ein Hund:

Tags: , ,

“Mann uriniert an Verteilerkasten”

13. Juli 2011 1 Kommentar

Gentrifizierung mal andersherum: Der Bürger möchte nicht vom Pöbel vetrieben werden. Gegen “Krach, Terror[!] und Schlägereien” (Anwohnerin im Beitrag) am Stötteritzer Weißeplatz hat sich jetzt eine Ein-Personen-Initiative (Website) gegründet, über die Leipzig Fernsehen einen Filmbeitrag produziert hat.

Die “Initiative” untersucht die genannten Vorfälle übrigens sehr akribisch. In einer Bildunterschrift auf der Website heißt es: “Mann uriniert, obwohl er mich dabei beobachtet, wie ich Fotos von ihm mache, an Verteilerkasten.” Ganz der investigative Journalist stellt der Herr von der Bürgerinitiative in seinem eigens eingerichteten Forum zudem die brisante Frage: “Wer finanziert diese Leute?”. Ich freu mich jetzt schon auf den BILD-Artikel.