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Artikel Tagged ‘konservativ’

Gefängnisse und Gefängnissausbrüche.

6. Juni 2011 Keine Kommentare

Als die Wutbürger in Stuttgart gegen einen etwas teuren, möglicherweise auch zu groß geratenen aber zumindest schick aussehenden, unterirdischen Bahnhof auf die Straße gingen, sind die Bewegungsfreunde hier und da freudig auf den Zug aufgesprungen. Denn wenn sogar im beschaulichen Süden die Trillerpfeifen ausgepackt werden, lauter Spätzleköche und Winzer von der (offensichtlich auch wütenden) Polizei verprügelt werden, dann ist Revolution in Deutschland anscheinend doch möglich.

An anderer Stelle entdeckte man das Lob der Institutionen, der Institutionalisierung, von repräsentativer Demokratie und Vermittlung. Der Mob werde so zurückgehalten, das Individuum vor ihm geschützt, Konflikte nicht in (unmittelbarer) Gewalt ausgetragen sondern stets vermittelt. Wahlen, Diskussionsrunden, Schlichtungs- und Gerichtsverfahren – wir kennen das. Da mag auch durchaus was dran sein, ich will schließlich nicht wissen, wie es einigen Menschen in ihrer Ehe, in Mügeln oder anderswo gehen würde, wäre da nicht die Vermittlung durch den Staat, seine Institutionen (ja, manchmal auch die Polizei) und seine (halbwegs) repräsentativen Vertretungsinstanzen.

Dass Formen der Vermittlung, wie sie heute stattfinden, ihrer urplötzlichen Abschaffung also durchaus vorzuziehen sind – geschenkt, d’accord und rightyright. Jedoch: Zwar wünscht sich niemand einen Massenausbruch aus einem Gefängnis und die darauf folgende gemeinsame Party von Hooligans, Nazis, Totschlägern und Vergewaltigern in der Nachbarschaft – aus dieser Ablehnung des Gefängnisausbruchs nun aber ein Lob des Gefängnisses zu machen, ist ein schwer nachvollziehbarer Akt. Das Gefängnis nämlich trägt nicht unwesentlich zur Verrohung seiner eigenen Insassen bei. Menschen einzusperren, sie dadurch übel zuzurichten, um dann diese Zurichtung als Argument für eine weitere Inhaftierung zu gebrauchen, ist schlichtweg verrückt.

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Das Diesseits der Zitate

27. April 2011 Keine Kommentare

Nein, unser katholischer Freund der Aufkärung findet nichts dabei in einer Gesellschaft zu leben, die ihm nicht gefallen kann. Wie könnte er auch. Schließlich kann man sich das Feld, in dem man selbst agiert, nicht wirklich heraussuchen. Das ist auch gut so, denn sonst würde sich ja niemand dafür interessieren, was man selbst so schreibt. Schon allein deshalb tut unser Freund der Aufklärung gut daran, sich selbst und seine Auffassung der Dinge (über Verlinkungen und diverse analoge Links) in genau die Gesellschaft zu werfen, in welcher der Anderen Anwesenheit so schrecklich furchtbar ist. Willkommen im digitalen linken Rand also, lieber Kritikerliselott’!

Niemand wütet stärker gegen die eigenen ideologischen Eltern als deren Kinder.

Aber halt: Das ist nicht logisch. Denn: Eltern muss man ehren! Und: Was nicht logisch ist, ist schlimm. Widersprüche, hey Pippilangstrumpf!, wollen wir nicht. Dass also die Kinder gegen die eigenen Eltern, gleichwohl in deren Abhängigkeit, sich rauszuschleichen suchen, das darf (und kann damit?) nicht sein!

Ansonsten bleibt’s – wie so oft – bei (vermutlich) eher sehr simplen persönlichen Projektionen. Privater Stammtischempirismus scheint sich da auf einmal in kritisch-theoretische Literatur zu verwandeln. Eassayhaftes Schreiben wird degradiert auf wirklich langweilige Polemik. (Wenn man das überhaupt so nennen darf: “Die nehmen alle Drogen!”)

Immer geht es dem Kollegen irgendwie um die ganz große Kritik, in der wir uns irgendwie aber auf keinen Fall einig sein dürfen. Nur was die Kritik bezweckt und bewirken kann, abseits vom (bestimmt netten) Masturbationseffekt, weiß keiner. Dabeisein ist alles.

Der Alte geht Zitate sammeln und ich sage: Herrlich! Aber was sagst du?