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Emendörfer statt Birgel in der LVZ

17. Dezember 2011 Keine Kommentare

Huch. Der neue LVZ Chefredakteur wird also doch nicht Dirk Birgel sondern Jan Emendörfer, wie die LVZ höchstselbst bekannt gibt. Über den ist bei Wikipedia zu lesen

Jan Emendörfer ist der Sohn des deutschen Kommunisten, Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus und Redakteurs Max Emendörfer (1911–1974) und dessen Frau Gertrud. [..] An der Leipziger Fachschule für Journalistik studierte er von 1986 bis 1989 im Fernstudium. 1990 ging er als Redakteur zu Ostsee-Zeitung in Rostock. Dort leitete er das Ressort Wirtschaft und übernahm 1997 das Ressort Reportage.[1] Im selben Jahr veröffentlichte er unter dem Titel Verfemt – Mein Vater Max Emendörfer die Biografie seines Vaters. Sie erschien 2004 in zweiter Auflage.

Klingt besser als die andere Personalie.

Wer schreibt denn dann die Polizeimeldungen ab?

29. November 2011 Keine Kommentare

Die LVZ ist in Bewegung. Nicht nur, dass der ehemalige Chef Bernd Hilder (wir erinnern uns: Vorsit zender des Presserats) seinen angestrebten Job beim affärenverseuchten MDR nicht bekommen hat, jetzt wird er auch bei der LVZ zu einem Korrepondentenposten nach Brüssel weggelobt. Als Nachfolger ist Dirk Birgel von den Dresdner Neusten Nachrichten (DNN) im Gespräch. Der twittert, ist FDP-Fan und spricht beim Deutschlandfunk ab und zu einen Kommentar – mal über die Frauenquote, mal über Vorratsdatenspeicherung.

Das ist das eine. Das andere ist, dass LVZ-Eigentümerin Madsack offensichtlich den ein oder anderen Euro einsparen will. Das berichten taz und andere. Über 50 Stellen sollen bei der LVZ gestrichen werden, davon 30 in der Redaktion. Betroffen ist allerdings wohl hauptsächlich der Teil der Redaktion, der für den überregionalen Teil verantwortlich ist. Dass diese Teile der knapp 20 Madsack-Zeitungen werden in Zukunft also noch ähnlicher.

[..] Themen aus der Region mit überregionaler Relevanz würden auch künftig in Leipzig erarbeitet. Kritiker sehen in dem Konzept einen Verlust für die Meinungsvielfalt, da so in vielen Zeitungen identische oder sehr ähnliche Artikel stünden. (Quelle: taz)

Da die taz den Lokalteil der LVZ nicht kennt, erschließt ihr leider nicht, dass weniger LVZ durchaus auch mehr Qualität bedeuten kann. Und die Polizeipressemitteilungen können ja in Zukunft auch Bots oder Roboterjournalisten abschreiben.

Die LVZ und die Pipeline. Eine Liebesgeschichte.

7. Oktober 2011 8 Kommentare

Von der Ostseeküste bis zur Tschechischen Grenze bastelt das Unternehmen Wingas, an dem das berüchtigte Russische Staatsunternehmen Gazprom 50% der Anteile hält, an einer Ergaspipeline mit dem Namen OPAL. Das Projekt ist (das geht wohl fast allen Großprojekten seit S21 so) nicht unumstritten. Umwelt- und Naturschutzverbände haben neben Bauern und Anwohnern Bedenken angemeldet oder Ablehnung signalisiert. In Sachsen kommt hinzu, dass die Pipeline durch für Windräder ausgewiesenes Gelände (sogenannte Windparks) führen soll. Deren Eigentümer sollen auf Antrag von Wingas (mit Entschädigung) enteignet werden. Das ist vor allem für die betroffenen Kommunen schwierig, die einen übergroßen Teil ihrer Gewerbesteuereinnahmen aus eben jenen Windparks schöpfen, die dann womöglich dicht machen müssten. Lange Rede, kurzer Sinn: Was man jetzt von der Pipeline und den Einwänden gegen diese halten soll, ist das eine. Spannend wird’s, wenn man sich anschaut, wie auffällig zurückhaltend in der sächsischen Presselandschaft über das von Gerhard Schröder protegierte Großprojekt berichtet wird.

Die LVZ jedenfalls berichtet auf ihrer Website bereits seit längerem über die Pipeline. Wobei berichten hier eigentlich das falsche Wort ist, es handelt sich nämlich schlichtweg um Werbebeiträge. Diese befinden sich gesammelt in einer eigenen Rubrik auf der LVZ-Website wieder, der eher schlecht als recht (Screenshot, 7.10.11, 14:47 Uhr) als reines Werbeangebot gekennzeichnet ist.

Die neuesten Beiträge tauchen jedoch auch auf der Startseite von LVZ-Online auf und sind dort gänzlich und ohne Abweichung in das Seitenlayout eingebettet. Lediglich ein kleiner roter Schriftzug “Werbespecials” deutet darauf hin, dass es sich hier nicht mehr um ein Redaktionelles Angebot handelt.


LVZ Online. Screenshot, 7.10.11, 14:50 Uhr

Wingas scheint sich Werbetechnisch sehr ins Zeug zu legen, was nicht nur anhand der Vielzahl der Beiträge sondern auch durch extra produzierte Fotostrecken und Videos deutlich wird. Diese Videos sind nicht nur über den “Werbespecials”-Bereich von LVZ Online aufzurufen sondern auch über das normale Videoportal. Dort fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung und nicht um ein Redaktionelles Angebot handelt. (Screenshot, 7.10.11, 15:11 Uhr) Spätestens hier handelt es sich um einen eindeutigen Verstoß gegen die Presseratsrichtlinie 7 (“Trennung von Werbung und Redaktion”). Hinzu kommt, dass auch im Werbereich selbst dpa Meldungen mit Werbetexten vermischt sind. Das Trennungsgebot wird nicht zuletzt dadurch erneut unterlaufen.

Das alles ist zumindest eine mögliche Erklärung, warum sich in der LVZ und ihren zahlreichen Lokalablegern und Klonprodukten kaum ein kritisches Wort zur Pipeline finden lässt.

Wer sich darüber beschweren will, darf sich übrigens an den Deutschen Presserat wenden. Bester Ansprechpartner dort ist dessen Vorsitzender – der LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder.

Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion