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Artikel Tagged ‘Intervention’

Pazifismus (1)

5. April 2011 Keine Kommentare

Man hört es immer wieder. Es wäre ein absurder Vergleich, ein unpassendes Beispiel und soundso auf keinen Fall zulässig, wenn man angestoßen durch aktuelle Debatten fragt, mit wem die ganzen antiinterventionistischen Antikrieger und pazifistischen Friedensfreunde denn das nationalsozialistische Deutschland hätten besiegen wollen, wenn nicht mit Waffengewalt. Die entrüsteten und empörten Reaktionen sind jedoch nicht etwa darauf zurückzuführen, dass die Widerlegung des absoluten Pazifismus am Beispiel des Kampfes gegen den Nationalsozialismus nicht zu zeigen sei. Nein, empört sind unsere pazifistischen Freunde gerade weil sie genau wissen, dass es kein deutlicheres Beispiel zu Widerlegung ihres erbarmunglos idealistischen Dogmas gibt und (hoffentlich) auch nicht geben wird.

Gewiss ist es falsch bei den Fragen nach Interventionsmöglich- oder notwendigkeiten gegen all die furchtbaren Regimes dieser Welt den NS-Vergleich zur Begründung für eine Intervention heranzuziehen, wäre ein Vergleich der betreffenden Umstände und Situationen doch meist implizit enthalten.  Gegen die pauschale Ablehnung jeder Intervention und gegen den absoluten Pazifismus, der da zum tragen kommt, eignet sich der Vergleich allemal.

Nun ist der abstrakte Wunsch nach Frieden, hinter dem sich die absoluten Pazifisten gerne stellen, durchaus ehrbar. Wenn sie es denn auch wirklich tun. Nicht wenige meinen nämlich, mit ihrer Ablehnung des (konventionellen) Krieges sei alles gesagt, kehre also Frieden ein. Dass die Abwesenheit des Eindreschens von schwer bewaffneten (und meist uniformierten) Menschen aufeinander, die Abwesenheit von Flugzeugbomben und Marschflugkörpern in dieser Welt die Anwesenheit von Frieden bedeuten würde, hat die jüngste Geschichte jedoch mehrfach in drastischer Deutlichkeit widerlegt.

Wären alle Pazifisten, gewiss, gäbe es keine Kriege mehr. Wären fast alle Pazifisten, und nur einige das glatte Gegenteil, gäbe es vermutlich keine Pazifisten mehr. Das ist ein weiteres Grundproblem des absoluten Pazifismus: Er flüchtet sich in ein (durchaus nett vorzustellendes) idealistisches Himmelsreich und dreht dort, fernab von irdischen Geschehnissen und Gräueltaten, Däumchen. Das muss Menschen, die sich in dieser Welt gerade wirklich gerne wehren würden, gegen die Gewalt, die ihnen engegenschlägt, wie Hohn und Spott vorkommen. In einer Welt, in der eben nicht nur Pazifisten sondern auch noch schwer bewaffnete Multimiliardäre wie Gadaffi, ideologische Mörderbanden und Nazipack verschiedenster Coleur unterwegs sind, ist der absolute Pazifismus nichts als unterlassene Hilfeleistung an den Betroffenen. Was der Fair-Trade-Kaffee und die Biomöhrchen den Sozialdemokraten ist, ist der absolute Pazifismus für diejenigen, die hier in Frieden leben: moralischer Luxus.

Luxus ist der Pazifismus auch deshalb, weil er so unendlich bequem ist. Da, wo er sich nicht als wünschenswerte Zielvorstellung, als utopische Zukunftsprojektion versteht sondern für die praktisch-moralische Begründung des (Nicht-)Handelns in dieser Welt herhalten muss, hat er sich mit allem, was in der Welt tatsächlich ist, nicht mehr zu beschäftigen. Seine Antwort auf konkrete Fragen ist schließlich immer die gleiche.

Uri Avnery für NATO-Bomben

28. März 2011 Keine Kommentare

Was ist denn da los? Uri Avnery, einer der Lieblingsisraelis der Israelhasser, positioniert sich in der taz für die militärische Intervention in Libyen. Mal abgesehen davon, dass Avnery selbstverständlich nicht umhin kommt die USA, die UN und die NATO in die Nähe des Teufels zu rücken und so tut, halt hätte Franco den spanischen Bürgerkrieg vornehmlich mit importierten Truppen aus Marokko gewonnen, frage ich mich ernsthaft wie Avnerys Freunde von der jungen Welt darauf reagieren werden. Die zitieren nämlich munter weiter libysche Regierungskreise.