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Artikel Tagged ‘Arbeit’

Profiling für rischtische Orbeid

19. Juli 2011 1 Kommentar

Die Leipziger BILD berichtet in ihrer Onlineausgabe folgendes über die Beschäftigten des Bürgerdienst LE:

“Jeder zweite ist nach den 12 Monaten auf Leipzigs Straßen für „richtige“ Arbeit noch immer ungeeignet, so die erschütternde Analyse.”

Warum das Abkratzen von Aufklebern und das Melden von Hundekot und Graffiti im Sinne der Autoren keine “richtige” Arbeit ist, die Beseitigung von Graffiti selbst und das Ausführen der Hunde, die den Kot dann platzieren (sogenanntes Hundesitting), allerdings schon, erschließt sich (auch aufgrund der auch oftmals gleich miesen Bezahlung) nicht.

Das Wirtschaftsdezernat, dass die “Analyse” erstellt hat, sieht die Ursachen offensichtlich nicht hauptsächlich in der Lage am “Arbeitsmarkt” (wozu sonst erfindet man Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen?) sondern in “schwerwiegender Einschränkungen im psychosozialen, persönlichen oder gesundheitlichen Bereich” der Beschäftigten. Um das zu beheben, sollen “jetzt in so genannten ‘Profiling-Gesprächen’ mehr mit den Bürgerdienstlern über ihre psychische, soziale, persönliche oder gesundheitliche Probleme geredet werden.” Ziele sind, die “soziale Kompetenz und [das] Selbstwertgefühl der Teilnehmer [zu] steigern”, damit sie danach die Hunde ausführen dürfen, deren Scheiße sie bisher gemeldet haben. Letzteres wird dann die Aufgabe neuer Bürgerdienstleistender sein. Für die sich möglicherweise verschärfende Situation am Arbeitsmarkt, wenn irgendwann der Hundekot mal weniger wird, hat das Dezernat allerdings noch keinen Vorschlag. Zur kurz gedacht, offensichtlich.

Wie Kalender Zeit töten

30. März 2011 Keine Kommentare

Kalender sind heimtückischer, als man denkt. Viele Leute werden das kennen: Man ist irgendwie strukturell überlastet und muss (nicht nur ab und zu, sondern ständig) noch dies und das tun in den nächsten Tagen. Vor allem tendenziell eher unorganisierten Profiprokrastinierenden wie mir kommt es dann in den Sinn, dass ein bisschen Organisation das ganze erheblich bessern könnte, dass das, was man machen muss, qua dieser besseren Organisation dann also effizienter läuft. Heißt: Mehr Zeit für was anderes als für dies und das. Da ich bereits seit der Grundschule unfähig war, klassische (also analoge) Kalender zu führen (damals hieß das MuttiHausaufgabenheft), war ich eine Zeit lang über meinen digitalen Kalender begeistert. Den hat man durch Handy, Laptop usw. quasi immer dabei (was beim Hausaufgabenheft nie der Fall war) und er erinnert einen auch, ohne dass man reinschauen muss (was ich bei Hausaufgabenheften nie tat. Wär ja auch noch schöner, sich die Arbeit selber aufzuhalsen indem man nach ihr sucht!).

Jetzt ist zwar alles besser organisiert, ich verpasse kaum noch Termine und dies und das ist den konkreten A und B gewichen wie aus in den nächsten Tagen nun HH:MM DD:MM:YYYY geworden ist. Blöd nur, dass das sinnvolle Gefühl irgendwie überlastet zu sein nun kaum noch was (als gute Ausrede) taugt, weil im Kalender immer noch ein bisschen Platz für ein paar Termine mehr geworden ist. Der Kalender rationalisiert die eigenen Kapazitäten dermaßen, dass die Diskrepanz zwischen Zeit-Zeit und Ichkannundwillnichtmehrzeit ins Unermeßliche zu wachsen droht. Auf den Kalender verzichten will ich trotzdem nicht, denn wenigstens diese Diskrepanz will ja gut organisiert sein.