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Die LVZ und die Pipeline. Eine Liebesgeschichte.

Von der Ostseeküste bis zur Tschechischen Grenze bastelt das Unternehmen Wingas, an dem das berüchtigte Russische Staatsunternehmen Gazprom 50% der Anteile hält, an einer Ergaspipeline mit dem Namen OPAL. Das Projekt ist (das geht wohl fast allen Großprojekten seit S21 so) nicht unumstritten. Umwelt- und Naturschutzverbände haben neben Bauern und Anwohnern Bedenken angemeldet oder Ablehnung signalisiert. In Sachsen kommt hinzu, dass die Pipeline durch für Windräder ausgewiesenes Gelände (sogenannte Windparks) führen soll. Deren Eigentümer sollen auf Antrag von Wingas (mit Entschädigung) enteignet werden. Das ist vor allem für die betroffenen Kommunen schwierig, die einen übergroßen Teil ihrer Gewerbesteuereinnahmen aus eben jenen Windparks schöpfen, die dann womöglich dicht machen müssten. Lange Rede, kurzer Sinn: Was man jetzt von der Pipeline und den Einwänden gegen diese halten soll, ist das eine. Spannend wird’s, wenn man sich anschaut, wie auffällig zurückhaltend in der sächsischen Presselandschaft über das von Gerhard Schröder protegierte Großprojekt berichtet wird.

Die LVZ jedenfalls berichtet auf ihrer Website bereits seit längerem über die Pipeline. Wobei berichten hier eigentlich das falsche Wort ist, es handelt sich nämlich schlichtweg um Werbebeiträge. Diese befinden sich gesammelt in einer eigenen Rubrik auf der LVZ-Website wieder, der eher schlecht als recht (Screenshot, 7.10.11, 14:47 Uhr) als reines Werbeangebot gekennzeichnet ist.

Die neuesten Beiträge tauchen jedoch auch auf der Startseite von LVZ-Online auf und sind dort gänzlich und ohne Abweichung in das Seitenlayout eingebettet. Lediglich ein kleiner roter Schriftzug “Werbespecials” deutet darauf hin, dass es sich hier nicht mehr um ein Redaktionelles Angebot handelt.


LVZ Online. Screenshot, 7.10.11, 14:50 Uhr

Wingas scheint sich Werbetechnisch sehr ins Zeug zu legen, was nicht nur anhand der Vielzahl der Beiträge sondern auch durch extra produzierte Fotostrecken und Videos deutlich wird. Diese Videos sind nicht nur über den “Werbespecials”-Bereich von LVZ Online aufzurufen sondern auch über das normale Videoportal. Dort fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung und nicht um ein Redaktionelles Angebot handelt. (Screenshot, 7.10.11, 15:11 Uhr) Spätestens hier handelt es sich um einen eindeutigen Verstoß gegen die Presseratsrichtlinie 7 (“Trennung von Werbung und Redaktion”). Hinzu kommt, dass auch im Werbereich selbst dpa Meldungen mit Werbetexten vermischt sind. Das Trennungsgebot wird nicht zuletzt dadurch erneut unterlaufen.

Das alles ist zumindest eine mögliche Erklärung, warum sich in der LVZ und ihren zahlreichen Lokalablegern und Klonprodukten kaum ein kritisches Wort zur Pipeline finden lässt.

Wer sich darüber beschweren will, darf sich übrigens an den Deutschen Presserat wenden. Bester Ansprechpartner dort ist dessen Vorsitzender – der LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder.

Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion

  1. Klaus
    10. Oktober 2011, 07:25 | #1

    Als ich das Wort “berüchtigt” in der zweiten Zeile las, hab ich nicht mehr weitergelesen.

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  2. 10. Oktober 2011, 07:50 | #2

    Why?

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  3. Henk
    10. Oktober 2011, 09:12 | #3

    Das stieß mir auch gleich übel auf. @#2 Weil ein kritisch unabhängiger sein wollender Kommentar sich durch einen Begriff wie “berüchtigt”als tendenziös disqualifiziert, mindestens aber dem Autor eine bestimmte Intention unsterstellen lässt.

    Und das Großprojekte erst seit S21 umstritten sind, ist auch eine neue Erkenntnis. Müssen gute Zeiten gewesen sein, als man Großprojekte wie die Startbahn West noch im Einklang, ach was, der Unterstützung der ganzen Gesellschaft druchziehen konnte.

    Die weitere Kritik ist teils berechtigt, teils überzogen. Mir persönlich reicht ein roter Schriftzug “Werbespecial” – mich stört eher das “special”, aber wir sind hier ja nicht bei Zwiebelfisch.
    Man darf auch online erwarten das ein Leser rot und blau unterscheiden kann. Medienbashing hin oder her ist der Rest Kritikwürdig.

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  4. 10. Oktober 2011, 09:30 | #4

    Naja, die “Werbespecial” Sache ist das eine, besonders deutlich wird’s halt beim Videoportal. Der Artikel ist nicht “unabhängig” (was soll das in diesem Zusammenhang überhaupt meinen?), sondern ist tendenziös, subjektiv und hat natürlich eine Intention :) Das is doch aber auch okay.

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  5. puck of pook’s hill
    10. Oktober 2011, 11:06 | #5

    dass regionalzeitungen (und die ehemaligen bezirksorgane der sed anscheinend besonders gerne) für solcherlei vermischung anfällig sind, ist bekannt (aber die zeit mit ihrer hemmungslosen apple-schleichwerbung benimmt sich ja auch nicht eben besser), die oben angeführten kritikpunkte bleiben allerdings bestehen …

    schön wird’s, wenn unterm artikel dann steht

    “Norwegian gas in Germany
    Statoil makes it possible to use unconventional gas in Germany.
    goodideas.statoil.com”

    ohne jegliche werbekennzeichnung …
    ja, ich weiss, dass das von irgendeinem netzwerk eingeblendet wird — aber die schreiben das ja nicht irgendwohin. insofern darf man wohl, zumal nach dem vorstehenden moralischen erguss, erwarten, dass die position, an der werbung eingeblendet wird, entsprechend gekennzeichnet wird, oder?

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  6. 10. Oktober 2011, 11:44 | #6

    Huch, ja natürlich. Muss ich mal meinen Werbeblocker ausstellen und schauen, wie ich das mit dem Theme entsprechend regeln kann

    [WORDPRESS HASHCASH] The poster sent us ’0 which is not a hashcash value.

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  7. 10. Oktober 2011, 11:46 | #7

    Aber: “die” schreiben das in der Tat irgendwohin

    [WORDPRESS HASHCASH] The poster sent us ’0 which is not a hashcash value.

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  8. 10. Oktober 2011, 14:33 | #8

    Jetzt weg?

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  1. 29. November 2011, 16:34 | #1